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Information Broker

BERUFSBILD und weitere Informationen


Berufschance Information Broker:
Erfolgreich „die Stecknadel im Heuhaufen entdecken“

Das Informationsproblem

Etwas Wichtiges nicht zu wissen oder etwas scheinbar Unwesentliches zu übersehen, konnte in früheren Zeiten bisweilen den Tod bedeuten. Der florentinische Staatsmann Niccolo Machiavelli (1469 - 1527) oder der napoleonische Polizeiminister Joseph Fouché (1759 -1820) waren jedenfalls immer eifrig darauf bedacht, ihr Herrschaftswissen zu hüten und es bei passender Gelegenheit gegen ihre Widersacher als entscheidenden Trumpf auszuspielen. Dem einen heiligte der Zweck die Mittel, der andere baute die erste Geheimpolizei auf, die diesen Namen auch verdiente.

Heutzutage ist das Wissen um bestimmte Vorgänge oder Zusammenhänge zum vierten Produktionsfaktor - neben Arbeit, Boden und Kapital - geworden. Wie kommt aber z.B ein Politiker, der wiedergewählt werden möchte, oder ein Manager, der in seiner Firma eine neue Technologie einführen will, an die relevanten Informationen, die es ihm ermöglichen, seine Entscheidungen auf sichere Füße zu stellen und mögliche Risiken kalkulierbar zu halten?

Zuerst einmal wird er feststellen, dass er ein Problem hat. Weil dieses Problem meist darin besteht, dass man von der Materie, um die es geht, einfach zu wenig weiß, spricht man von einem Informationsproblem.

Angesichts des auf allen Gebieten sehr schnell wachsenden Wissensstandes und des so entstehenden Zeitdrucks - dass nämlich neu eingeführte Technologien oder neu entwickelte Produkte schon veraltet sein können, wenn sie in Betrieb genommen werden oder auf den Markt kommen - werden die Reaktionszeiten für alle kürzer.

Den Informationssuchenden interessiert es in der Regel nicht, welche Quellen durchsucht wurden. Wesentlich für ihn ist, dass sein Informationsproblem gelöst wird. Da der Kunde dem Informationsvermittler diese Aufgabe überlässt, ist es dessen Pflicht, durch Recherche und Aufbereitung der Informationen sicherzustellen, dass das Ergebnis den Kunden zufriedenstellt. Dies setzt voraus, dass die Anfrage des Kunden vom Informationsvermittler auch richtig verstanden wurde. Das bedeutet, daß gerade bei komplexen oder sehr vagen Anfragen mit dem Kunden ständig Rücksprache gehalten werden muss. Bei der Entgegennahme einer Anfrage sollte präzise erfragt werden, was, warum und zu welchem Zweck gesucht wird (siehe Fallbeispiel).

Das Fallbeispiel

Ein Mineralwasserhersteller möchte aktuelle Marktdaten beziehen, um sich mit seinen Wettbewerbern zu vergleichen. Der Informationsvermittler kann innerhalb weniger Stunden mit Hilfe gedruckter Branchenübersichten, aber vor allem über Online-Datenbanken und aus dem Internet eine Fülle an Fakten zur Verfügung stellen: Marktumfang, Marktentwicklung, Umsätze der wichtigsten Abfüller in Deutschland und international, Wettbewerber-Analyse, Werbeausgaben, Absatzwege, Pro-Kopf-Ausgaben an Mineralwasser, Ausgaben für nicht-alkoholische Getränke, Nachfrage-Prognosen, Trends, z.B. zu Mehrwegverpackung und aufgedruckter Ökobilanz. Dies setzt aber einen gut ausgebildeten Informationsvermittler mit Fachkenntnissen im Wirtschaftsbereich voraus.

Welchen Anforderungen sieht sich ein Info-Broker in seinem Berufsalltag gegenüber?

Er muss das gesamte Angebot an On- und Offline- Datenbanken oder konventioneller Datenpools des jeweiligen Fachgebietes überblicken und sicher in den verschiedensten Systemen recherchieren. Der sichere Umgang mit weltumspannenden Datennetzen (Internet) ist genauso wichtig wie unter großem Termindruck/Stress zu arbeiten, Kontaktfreudigkeit, Extrovertiertheit, geistige Beweglichkeit, hohe Flexibilität, ständiges Mitdenken, Selbstbewußtsein, sicheres Auftreten; Fähigkeit zur überzeugenden Präsentation, eigene Leistungen vermarkten können

  • Analytische Fähigkeiten: Wesentliches von unwesentlichem unterscheiden können,
    Informationsflut verdichten und schnell auf den Punkt bringen können
  • Aufbereitung: Sinn für optische/grafische, übersichtliche Darstellung
  • Sprachkenntnisse: sichere Englischkenntnisse, da die Informationen meist nur in englischer
    Sprache verfügbar und recherchierbar sind
  • Betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse: Kalkulationen, Kosten-Nutzen-Rechnungen
  • Weiterbildung: permanente Bereitschaft zur Weiterbildung, am besten Mitgliedschaft in den entsprechenden Fachverbänden
  • Fachkenntnisse: möglichst Kenntnisse in bestimmten Fachbereichen (z.B. Chemie, Wirtschaft, Medien, usw.) um Rechercheergebnisse kundengerecht aufbereiten zu können

Der größte Anteil der am Informationsmarkt gegenwärtig nachgefragten Informationen sind Wirtschafts- und Finanzinformation sowie zu einem weitaus geringeren Teil wissenschaftlich-technische Fachinformation. Bei jetzt schätzungsweise fast 10.000 kommerziell vertriebenen Online-Datenbanken weltweit und noch einmal ca. 9.000 CD-ROMs ist eine fachliche Spezialisierung des Informationsvermittlers erforderlich. Nur so wird er sich bei seinen Kunden einen Namen machen und Anschlussaufträge für sich oder seine Firma hereinholen.

Informationsvermittlung in der Wirtschaft heute

Die Informationsvermittlung etabliert sich seit einigen Jahren als eigenständiger Berufs- und Wirtschaftszweig. Dabei arbeiten Informationsvermittler sowohl als Selbständige als auch als Angestellte in entsprechenden (Informations- und Dokumentations-) Abteilungen größerer oder mittelständischer Firmen. Schätzungen gehen davon aus, dassca. 1000 bis 5000 Informationsvermittler angestellt sind, und dass ca. 100 bis 200 selbständige Information Broker derzeit in Deutschland tätig sind. Das Interesse, Informationsvermittler zu werden steigt. Aber das Markt- und Entwicklungspotential ist weder gesichert abschätzbar, noch bei weitem ausgeschöpft.

Informationsvermittler: Beruf mit Zukunft?

Sicher ist nur, der Beruf des Informationsvermittlers ist seit kurzem "in" - wie alles, was irgendwie mit Internet und Datenautobahn zu tun hat. Aber wenn in Berichten mitunter der Eindruck geweckt wird, jeder junge, risikofreudige Computerfreak könne mit der Jagd nach Daten reich werden, so ist anzumerken, daß ohne fundiertes fachliches und methodisches Wissen professionelles Information Broking nicht machbar ist.

Kritisch anzumerken ist ferner, daß Informationsvermittlung durch immer bessere Software zunehmend auch vom Endnutzer vorgenommen werden kann und die Bedienung der Datenbanken immer unkomplizierter wird. Wählt man heutzutage den Beruf des Informationsvermittlers, so sollte man dies nur in Verbindung mit einer fachlichen Spezialisierung tun. In diesem Fall kann auch die Aufbereitung sinnvoll erfolgen, nur dann kann "Mehrwert" geschaffen werden, für den der Kunde auch bereit ist, zu zahlen. Derzeit wird die "Ware" Information vom Kunden zwar immer noch wertmäßig als viel zu gering eingeschätzt, bei zunehmender Datenmenge wird sich dies in Zukunft - aus meiner persönlichen Sicht - mehr und mehr ändern. Der Informationsvermittler wird noch stärker als bisher zur Informationsbeschaffung herangezogen werden.

Sicher ist auch, dass mit Informationsvermittlung nicht "das schnelle Geld" gemacht werden kann. Denn die Abfragen verlangen viel Fachwissen und viel methodisches Datenbank- und IuD-Wissen.

In dem Maße wie es gelingt, das Wissen um die Informationssuche mit Fachwissen zu verbinden, kann der Informationsvermittler im Markt in Zukunft sehr gut bestehen. So sind Informationsvermittler zur Zeit dabei, ihre Positionen im Unternehmen gegenüber anderen Abteilungen zu festigen und entgegen mancher Unkenrufe auszubauen. Sie helfen nicht nur dem eigenen Betrieb, Geld zu sparen, sondern können auch selbst Gewinn erwirtschaften, indem sie Dienstleistungen für Fremdfirmen erbringen. Als Beispiele hierfür wären unter anderem der Bereich Information und Dokumentation (IuD) von TNS in München oder DB Research der Deutschen Bank in Frankfurt am Main zu nennen.

Ausbildung / Weiterbildung zum Informationsvermittler


Selbständigkeit mit hohen Anforderungen

Informationsvermittler, die beispielsweise in IuD-Abteilungen von Unternehmen, Institutionen oder Bibliotheken arbeiten, gibt es bereits seit Anfang der 80iger Jahre. Zu den Informationsvermittlern gehören auch die spezialisierten Patentrechercheure. Der Berufsstand des Informationsvermittlers hat sich aus dem Bibliotheks- und Dokumentationswesen einerseits und dem Bedürfnis umfassender Informiertheit bei zunehmender Informationsflut, insbesondere im Bereich der Medizin, Chemie und Wirtschaft, heraus entwickelt.

Das berufliche Selbstverständnis des Information Brokers/Informationsvermittlers beinhaltet einerseits die permanente Aneignung der vorhandenen, sich wechselnden, Informationsstrukturen, als auch ein up-to-date in fachlicher Hinsicht. Dazu gehört auch die Entwicklung von Informationsangeboten, mit dem Ziel dem Kunden Wettbewerbsvorteile zu verschaffen, bzw. Vorgaben schneller zu ermitteln und zu erreichen.

Selbständige Information Broker

Mit den Entwicklungen im Medien-, Informations- und Technikbereich wurden wesentliche Voraussetzungen geschaffen als Informationsvermittler auch selbständig auf dem Markt auftreten zu können.
Neuere Betriebsorganisationskonzepte, wie Outsourcing oder Profit-Center, haben diese Tendenzen unterstützt und verstärkt und angestellte Informationsvermittler zeitweise in die Selbständigkeit gedrängt.

Ist die Gruppe der Informationsvermittler in Unternehmen oder Organisationen nur eine kleine Berufsgruppe von ca. 1000 bis 5000 Personen, so schwankt die Zahl bezüglich der freiberuflich tätigen Informationsvermittler in Deutschland zwischen 100 und 200. Viele bestreiten ihre Existenz nicht allein mit Information Broking, sondern haben ein zweites Standbein mit Consulting und/oder Schulungen.

Das Interesse Information Broker zu werden steigt. Aber das Markt- und Entwicklungspotential ist weder gesichert abschätzbar, noch bei weitem nicht ausgeschöpft.

Allerdings sind die Anforderungen an Information Broker in persönlicher, fachlicher und kaufmännischer Hinsicht sehr groß. Hinzu kommt eine entsprechende EDV- und Telekommunikationsausstattung, die benötigt wird.

Persönliche Anforderungen

Wer sich selbständig macht, sollte selbstbewusst, wach und aktiv sein und vor allem offen für Kontakte und neue Entwicklungen. Eine fundierte Allgemeinbildung ist selbstverständlich.
Dies gilt in besonderem Maß für Information Broker als Spezialisten der Informations- und Kommunikationsbranche. Jeder Kontakt kann zu einem neuen Kunden führen und das Geschäft sichern.
Ein Information Broker sollte in der Lage sein, sein Dienstleistungsangebot ansprechend in Bezug auf Material und Performance zu präsentieren.

Fachliche Anforderungen

Der größte Anteil der am Informationsmarkt nachgefragten Informationen sind Wirtschafts- und Finanzinformationen, sowie zu einem geringen Teil wissenschaftlich-technische Fachinformation und Patentinformation.

Information Broker sollten daher einen entsprechenden Hochschul- oder Fachhochschulabschluss in einem Fachgebiet mitbringen. Einige Jahre Erfahrung in der Informationsvermittlung in einem Unternehmen sind vorteilhaft.

Absolventen von Informations-Studiengängen sollten sich nicht unmittelbar nach Abschluss des Studiums selbständig machen, sondern möglichst erst mehrere Jahre Praxiserfahrung und Kontakte bei einer einschlägigen Anstellung sammeln. Dies gilt auch für diejenigen, die schon eine Anstellung haben, und sich mit dem Gedanken der Selbständigkeit tragen. Für einen Information Broker ist eine mehrjährige Berufspraxis als Informationsvermittler in einem Betrieb oder in einer Institution mindestens genauso wichtig als die genannten spezifischen IuD-Ausbildungsgänge. Die Kenntnisse über die modernsten Informationsmedien, -techniken und Recherchemethoden werden vorausgesetzt.

Dazu gehören vor allem:

  • fundierter Überblick über das Angebot an Online- und Offline-Datenbanken im Fachgebiet,
  • Sicherheit beim Retrieval in verschiedenen Systemen,
  • Kenntnisse der Inhalte und des Umgangs mit Datennetzen (z.B. Internet),
  • umfassende Kenntnisse konventioneller Datenpools,
  • Erfahrung in der Erstellung von Recherchestrategien,
  • Erfahrung in der Aufbereitung von Rechercheergebnissen,
  • Erfahrung in der Kalkulation von Informationsdienstleistungen.

 

Hinzu kommen einschlägige Kenntnisse in den Bereichen Textverarbeitung, Kalkulationsprogramme, Datenfernübertragung und Datenbanken. Kaufmännische Anforderungen.

Sehr wichtig ist ein fundiertes Marketing Know-How, damit das persönliche Angebot an Informationsdienstleistungen zur richtigen Zeit den richtigen Zielgruppe in der richtigen Form angeboten wird. Kenntnisse in Kosten- und Kalkulationsplanung sowie Steuer- und Bilanzrecht und Controlling sind kaufmännische und betriebswirtschaftliche Selbstverständlichkeiten.

Ausstattung

Zur Grundausstattung eines Information Brokers gehören:

  • ein PC mit CD-ROM Laufwerk und einer Festplatte mit ausreichender Speicherkapazität,
  • DSL- oder ISDN-Anschluss,
  • Drucker, Fax-Gerät, Kopierer
  • notwendige Software (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation)
  • Internet-Zugang und E-Mail.

 

Nicht zu vergessen, Zugangsberechtigung zu Datenbanken, Datennetzen, Online-Diensten.


Kontakte und Informationen

Wenn Sie sich für den Beruf des Informationsvermittlers interessieren oder sich in Zukunft schwerpunktmäßig mit Fachinformation beschäftigen wollen, dann ist die Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis (DGI) in Frankfurt am Main für Sie ein geeigneter Ansprechpartner. Die derzeit mehr als 1900 persönlichen, korporativen und fördernden Mitglieder kommen aus allen Bereichen, in denen Wissen entsteht, Medien beschafft und für die Nutzung aufbereitet, Informationen ermittelt und weitergegeben werden. Dort erhalten Sie dort auch weitere Auskünfte und eine eingehende Beratung:

  • DGI
    Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis e.V.
    Windmühlstraße 3, 60329 Frankfurt am Main
    Telefon: 069-43 03 13, Fax: 069-49 09 096
    E-Mail: mail@dgi-info.de

Ferner bietet die DGI laufend interessante Fort- und Weiterbildungsangebote im Rahmen ihrer Konferenzen und Workshops an. Übersichten zum Angebot können in der Geschäftsstelle angefordert werden.

Netzwerke

Die Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis (DGI) möchte die selbständigen Information Broker unterstützen und hat dazu eine Arbeitsgemeinschaft in der Fachgruppe "Informationsvermittlung" gegründet:

Die Arbeitsgemeinschaft beteiligt sich an der Erstellung von Grundsätzen zum Qualitätsmanagement

Die AG hat einen Verhaltens- und Ehrenkodex für Informationsvermittler erarbeitet

Wir empfehlen den Information Brokern, Kontakt zu anderen Kollegen in ihrer Region zur gegenseitigen Unterstützung aufzunehmen. Ein interessantes Netzwerk bilden vor Ort:

Über Ihr Interesse an einer aktiven Mitarbeit in diesen Netzwerken würden wir uns freuen.
Eine Liste von Information Broker, die Mitglied in der DGI sind, finden Sie auf unserer Website unter:

Weiterführende Informationen

Seitenanfang
  • DGI e.V.
  • Windmühlstraße 3
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  • Tel (069) 43 03 13
  • Fax (069) 49 09 09 6