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Auszug aus dem Leipziger Amtsblatt vom 19.02.2000, Seite 4:

Arbeitskreis für Information: Hilfe bei der Bewältigung der Informationsflut

...Als Vereinigung von Personen und Institutionen fördert der AKI L die fachliche Kommu-nikation von Dokumentaren, Informationsvermittlern, Bibliothekaren und Archivaren und unterstützt bei der Ermittlung, Aufbereitung und Bereitstellung von Informationen aus Wirt-schaft, Wissenschaft und Technik entsprechend den Erfordernissen der Informationsnutzer. Der...Kongress "Information und Öffentlichkeitsarbeit" wird deshalb zum Anlaß genommen, mit Unterstützung der Stadt Leipzig, Amt für Wirtschaftsförderung, die Tätigkeit des AKI L zu aktivieren, Möglichkeiten der Förderung seiner Tätigkeit zu finden. Aus diesem Grund wird angestrebt, eine Beratung des AKI L zusammen mit Vertretern von Einrichtungen des Informations- und Bibliothekswesens, aus Archiven sowie an dessen Tätigkeit interessierten Institutionen ins Leben zu rufen....

Interessenten melden sich bitte bei einem Vorstandsmitglied.

  1. 45 Jahre Information und Dokumentation in Leipzig

Im Jahr 1955 fand in Leipzig ein Dokumentationslehrgang statt. Dort wurde der Wunsch geäußert, eine Arbeitsgruppe zu gründen, die im gemeinsamen Erfahrungsaustausch die Arbeit auf diesem neuen Fachgebiet fördert, wie z.B. Besprechung von DK-Zahlen, inhaltliche Erschließung der Literatur aller Arten, Durchführung von Lehrgängen u.a. Nach Vorarbeiten und weiteren Beratungen fand die Gründung der "Arbeitsgemeinschaft Dokumentation" in Rahmen der Kammer der Technik (also unabhängig von Bibliotheksverbänden - aber in Leipzig stets in enger Kooperation und Koordinierung mit der Sektion Technische Bibliotheken) am 20.09.55 statt. Somit sind wir das älteste Gremium dieser Art Gesamt-Deutschlands. Nach Leipziger Vorbild wurde am 06.05.56 die zweite regionale AG in (Ost-)Berlin gegründet, die Dresdner am 19.03.58, ferner im gleichem Jahr in Karl-Marx-Stadt, Magdeburg, Weimar. Die Gründer waren Leiter bzw. Mitarbeiter von Dokumentationsstellen, des Amtes für Erfindungs- und Vorschlagwesen, Bibliothekare der Deutschen Bücherei, der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport (DHfK), aber auch technische Übersetzer - also ein breites Band von Fachkollegen. Besonders würdigen wir Herrn Konstantin Wowra, jetzt wohnhaft in Chemnitz, der sich als Mitarbeiter der DHfK an der Gründung beteiligte. Ende der 60er Jahre wird - auch auf Initiative der Leipziger AG - die Zentrale Arbeitsgemeinschaft ins Leben gerufen.

Die Erfahrungsaustausche , Besichtigungen in Dokumentationsstellen und Exkursionen nahmen den breitesten Raum in unserer Arbeit ein. Wenn in der Statistik nichts vergessen wurde, fanden insgesamt ca. 420 Veranstaltungen statt. Dabei waren auch Veranstaltungen, die zusammen mit fachlichen Partnern - wie der Sektion Technische Bibliotheken im Bibliotheksverband, der Abteilung Wissenschaftliche Information der Technischen Hochschule - abgehalten wurden.

Die Lehrgänge sind gerade zu Beginn der Tätigkeit der Arbeitsgruppe besonders wichtig gewesen, da fundierte Kenntnisse zuerst den in den Dokumentationsstellen arbeitenden Ingenieuren und Facharbeitern, die meist einen Abschluß aus dem zu betreuenden Fachgebiet besaßen, vermittelt werden mußten, aber auch den Nutzern die Möglichkeiten der Informationsvermittlung aufgezeigt werden sollten. Dabei gab es noch keine Lehrpläne, und die Lektoren hatten sich das notwendige Wissen am Arbeitsplatz erworben - eine echte Umbruchsituation.

Der erste in der Chronik verzeichnete Lehrgang fand vom 13.-14.05.57 "für Technische Berichterstatter" mit 32 Teilnehmern statt. Der erste 8tägige Internatslehrgang für Informationsbeauftragte wurde 1960 in Großsteinberg abgehalten. Im Jahr 1961 wurde begonnen, Lehrpläne und -inhalte aufzustellen. Es gab dann Grund- und Aufbaulehrgänge, ab 1964 auch Aufbaulehrgänge in 2 Stufen zu je 1 - 2 Wochen. Es wurden auch Sonnabend - Lehrgänge über 6 Wochen durchgeführt. Der Bedarf war riesig, die Teilnehmer kamen von der Ostsee bis zum Erzgebirge, und die Zahl je Lehrgang stieg auf über 50. In den Folgejahren wurden bis zu 6 verschiedene Lehrgänge/Jahr abgehalten - eine starke Belastung für die nebenbe-ruflichen Dozenten. Die Grundlehrgänge schlossen mit einer Prüfung ab. Bis 1970 wurden etwa 70 "eigene" Lehrgänge (teilweise in 2 Gruppen) mit etwa 500 Teilnehmern durchgeführt, danach nur noch einige spezielle. Der Grund war, daß nunmehr zentral geleitete Fernkurse (FK) für alle Bezirke der DDR eingeführt wurden, in den Stufen A (für Fach- und Hochschulkader) und B (für Facharbeiter). Der erste FK startete 1969, der letzte etwa 1984. In Leipzig fanden ca. 25 FK statt mit je 20 - 25 Teilnehmern.

Höhepunkte unserer Arbeit waren die Tagungen, die wir veranstalteten und die einen regen Zuspruch hatten. Die erste fand am 27.11.1957 als bezirkliche Tagung unter dem Motto "Ingenieur und technische Information" statt. Nach in der Regel DDR-offenen Tagungen zu unterschiedlichen Themen wie "Information leitender Kader", "Die Arbeit betrieblicher Informationsstellen" (für Betriebsdirektoren), "Vermittlung und Nutzung von Informationen für Forschung, Entwicklung und Produktion" oder "Urheberrechtliche Probleme bei der Mikroverfilmung von Zeitschriften" wurden dann vor allem zwei Themenreihen bestimmend: die erste von Koll. Udo Wellhausen initiierte Reihe mit 7 Veranstaltungen "Fakten- und Dokumentenverarbeitung auf ESER-Anlagen" und die von Dieter Hertzsch und Harald Thieme vorgestellte Reihe "Information und Dokumentation an Universitäten, Fach- und Hochschulen". Ziel dieser Reihe waren: erstens sollten den Studenten die für ihre spätere Arbeit notwendigen Grundkenntnissen bei der Nutzung der Informationen vermittelt werden (Informationsbedarf formulieren, einmalige und periodische Recherchen anfordern u.a., zweitens sollte die Dokumentation und damit die Nachnutzung der Abschlußarbeiten organisiert werden und drittens die Einbeziehung der Assistenten, Dozenten und Professoren in unser Fachgebiet damit dieser Personenkreis selbst Informationsbedarf anmeldet, Informationen nutzt und dadurch gewonnene Erkenntnisse in Vorlesungen, Seminare u.a. einfließen läßt).

Zu nennen sind weiter Vorträge, die vor verschiedenen Gremien, z.B. den Büros für Erfin-dungswesen (später Neuererwesen), in den Büros für Standardisierung, in Ingenieurschulen, in Betrieben vor Ingenieuren u.a. zu Themen der Dokumentation und Information gehalten wurden. Die Zahl ist nicht bekannt, dürfte aber auch weit über 200 liegen.

Auch Ausstellungen zu unserem Fachgebiet wurden gestaltet, was teilweise mit beachtlichem Aufwand verbunden war. Zuerst zu nennen ist die Ausstellung zur o.g. ersten Bezirkstagung am 27.11.1957 "Ingenieur und technische Information", die dann in eine Wanderausstellung umgewandelt wurde.

Veröffentlichungen zu unserem Fachgebiet fanden sowohl in der eigenen Fachliteratur (z.B. der Zeitschrift "Dokumentation") als auch in technischen Fachzeitschriften - hier besonders zur Nutzerinformation - statt. Leider fehlt hierzu eine Literaturzusammenstellung. Es gab auch Sendungen im Rundfunk, gestaltet von unseren Mitgliedern.

Durch die Abwicklung der Kammer der Technik nach der Wende hatte die Arbeitsgemeinschaft plötzlich keine Heimstatt mehr, die bisher die organisatorischen Arbeiten erledigte, z. B. den Postein- und -ausgang regelte, die Einladungen verschickte, die Räume bestellte, bei Tagungen die Leitung übernahm und den Beitrag kassierte. Die AG konnte sich also voll auf das fachliche Geschäft konzentrieren. Das änderte sich nun, denn jetzt mußte ein Verein gegründet werden, der Arbeitskreis für Information Leipzig, der alle fachlichen und organisatorischen Arbeiten selbst erledigen mußte.

Durch die wirtschaftlichen Strukturänderungen, auch in Leipzig, traten Probleme auf, die in den letzten Rechenschaftsberichten dargestellt wurden: die Zahl der Mitglieder nahm durch Auflösung der Betriebe und - so die Betriebe noch weiter bestehen - der Kostensenkung durch Auflösung der Informationsstellen und betrieblichen Bibliotheken stark ab, oder die Informationsstelle wurde in die Mutterunternehmen in die alten Bundesländer verlagert. So hatten wir 1990 über 160 Mitglieder, jetzt nur noch 10. Dazu schreibt der Wissenschafts verein Leipzig e.V. etwa 1995: "Mit der Schließung von über 130 Informationsstellen Leipzigs sind bereits wichtige betriebsspezifische Informationsbestände sowie Fachliteratur ungeprüft vernichtet worden. Noch erhaltenswürdige Informationsbestände aus im Umbruch befindlichen Unternehmen sollen mit dem Ziel ermittelt und gesichtet werden, diese Bestände zu archivieren bzw. Grundlagen für ein diesbezügliches Museum zu schaffen" - Die Zeit war so schnellebig, daß der gute Vorsatz nicht verwirklicht werden konnte. Allerdings haben wir wenigstens einige Sachzeugen mit Hilfe unseres Beiratsmitglieds, Prof. Schlegel von der Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kultur, Fachbereich Buch und Museum, gesammelt.

Wir haben das Spektrum entsprechend der Entwicklung unseres Fachgebietes, ursprünglich sehr eng auf die Dokumentation und Information auf technischem (und in Leipzig auch sportlichem) Gebiet orientiert, erweitert - wie es unsere Satzung jetzt aussagt:

Der AKI Leipzig ist eine Gemeinschaft der den Gebieten Information / Dokumentation, Fach-information / Informationsvermittlung, Allgemein- / Spezialbibliotheken, Verlagswesen / Buchhandel, Archiven u.ä. verbundenen Personen und Institution einschließlich Herstellern und Anbietern von entsprechender Hard- und Software

Der Zweck des Vereins ist

  1. die berufliche Fort- und Weiterbildung von Mitarbeitern im Informationswesen zu fördern und dafür eigene Fachveranstaltungen zu organisieren,
  2. eng mit anderen Fachgesellschaften, Ausbildungsstätten sowie regionalen und überregionalen Vereinigungen des Informationswesens / der Bibliotheken / Archive u.a. zusammenzuarbeiten,
  3. die Öffentlichkeit über Wert und Nutzen von Fachinformationen und Informationseinrichtungen mittels geeigneter Aktivitäten zu unterrichten und den Kenntnisstand der Allgemeinheit über prinzipielle Möglichkeiten des Zugangs zu Informationsquellen zu erhöhen,
  4. die Entwicklungen und Bedarfsstrukturen im Informationsbereich zu beobachten und zu analysieren sowie die Etablierung einer ausgewogenen Informationslandschaft und Informationskultur zu initiieren.

Bisher ist es uns gelungen, regelmäßig ansprechende Veranstaltungen zu organisieren - es könnten allerdings mehr Teilnehmer kommen.

Inwieweit zukünftige Aufgaben mit den noch verbliebenen Mitgliedern gelöst werden können ist ungewiß, zumal keine jüngeren Kräfte zu unserem Arbeitskreis stoßen - es werden einfach keine in den (verbliebenen) Informationsstellen eingestellt. Die DGI - die jetzige "Zentrale", als deren regionaler Arbeitskreis wir wirken, kann, da ebenfalls "nur e.V.", auch wenig helfend eingreifen - die Probleme vor Ort benötigten kräftige Unterstützung. Diese könnte ggf. das Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt Leipzig geben, hierzu ist für den April oder Mai dieses Jahres eine Veranstaltung vorgesehen.

Ohne Zweifel wird Leipzig nie wieder die Bedeutung in der Information und Dokumentation erlangen, wie sie bis 1990 bestand. Dazu gibt es in der Stadt z.Z. zu wenig Substanz.

Unsere Aufgaben für die nächste Wahlperiode werden so gesehen: Wir sind in der Vergangenheit zuwenig in Erscheinung getreten und wollen das jetzt ändern

  1. Vorstand und Beirat
  2. Es geht darum, erstens den Vorstand zu verjüngen und zweitens den Beirat so zu er-weitern, daß aus allen Bereichen Mitglieder gewonnen werden. Das wurde nicht erreicht. Also muß es jetzt mit allen Mitteln angegangen werden. Vorbild könnte z.B. der Münchener Arbeitskreis sein, dessen Vorstandsmitglieder aus der Fachhochschule München, dem Deutschen Theatermuseum, der Bayerischen Staatsbibliothek, dem FOCUS Magazin Verlag und vom Max-Plank-Institut für Biochemie stammen, im Beirat wirkt z.B. die IHK München mit.

  3. Zur Mitglieder- und Interessentengewinnung für unseren Arbeitskreis

Es gab ganz kleine Erfolge. Es muß weiter geworben werden. Als Ursachen für geringe Beteiligung an der AKI L - Arbeit schätzen wir ein, daß

  • hierzulande wegen der Angst um den Arbeitsplatz die vorgesehene Arbeitszeit wesentlich überschritten wird und somit wenig Neigung besteht, sich danach noch der Vereinsarbeit zu widmen. Wenn man im privaten als auch im dienstlichen Umfeld fragt, so ist die gängigste Antwort: keine Zeit.
  • die wissenschaftliche Information/Dokumentation durch die Manager in der Regel sehr gering unterstützt wird, ihre Bedeutung wird nicht erkannt. Oft herrscht die Meinung vor, daß jeder Ingenieur seine Informationen über das Internet selbst suchen und beschaffen kann. So leicht geht es aber nicht, wie wir alle wissen. Und das wird sicherlich noch eine ganze Weile so bleiben, weil das Einklinken in Datenbanken auch recht kostenintensiv werden kann.
  • in der Regel keine neuen Mitglieder aus Institutionen gewonnen werden konnten, die in den AKI der alten Bundesländer selbstverständlich mitwirken. Nach wie vor unterhält die IHK keine diplomatische Beziehung zu uns - in den alten Ländern sind sie eine der Stützen der AKIs. Auch wir werden in Kürze aktiver zu Sache gehen.
  1. Pressesprecher
  2. Was dem AKIL fehlt: ein "Pressesprecher" oder "Öffentlichkeitsarbeiter", der mit nötigem Nachdruck PR betreibt, z.B. die Darstellung des AKIL in den Leipziger Medien und in unseren Fachmedien (AKI Corner in der nfd). Aus unserem derzeitigen Mitgliederbestand ist eine solche Person z.Z. nicht zu gewinnen.

  3. Veranstaltungen
  4. Fortsetzung des Angebots von attraktiven Veranstaltungen zu aktuellen Themen - mit hoffentlich gutem Besuch.

Die Mitglieder des Arbeitskreises hoffen, daß sich viele Leipziger Fachkollegen finden, die im AKIL mitwirken möchten.

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